Zibelemärit Tagung 2010

„Swissness und Qualitätsstrategie“

Swissness kann und soll eine Antwort sein auf die durch die Globalisierung und Liberalisierung der immer internationaler werdenden Handlungsströme mit Dienstleistungen und Gütern wie Agrarrohstoffe und Lebensmittel. Swissness soll Vertrauen, Lust und Genuss schaffen, vor allem bei den Schweizer Konsumenten, aber auch bei Konsumenten hochwertiger Lebensmittel im Ausland.

Jacques Blondin, Präsident von SWISSCOFEL, betonte, dass Swissness sich im Zentrum der Problematik eines allfälligen Freihandelsabkommens zwischen der Schweiz und der EU (AFHA) befindet. Sie präsentiert sich oft optimistisch und zeigt Lösungen auf, wie es zu einem Abschluss des Freihandelsabkommens kommen könnte. Aber die Situation ist komplizierter, wie es die verschiedenen, zum Teil komplementären Stellungnahmen der Referenten zeigten. Der Moderator Jürg Krummenacher führte rund 100 Fachleute und Branchenvertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Produktion und Konsumentenvertretung durch die traditionelle Zibelemärit Tagung von SWISSCOFEL.

Der Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft, Manfred Bötsch stellte die Ergebnisse der vom BLW ins Leben gerufene „Qualitätswerkstatt“ vor und legte auch dar, wie sich Wirtschaft und Staat in einer gemeinsamen Qualitätsstrategie für die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft gegenseitig unterstützen können. Die Zukunft muss mit gelebter Marktpartnerschaft, starker Qualitätsführerschaft und gemeinsamer Marktoffensive gestaltet werden.

„Swissness: Ein Versprechen weckt Erwartungen“. Christoph Dietler, Mitinhaber der pluswert-GmbH, zeigte in seinem Referat neben den Chancen auch die Risiken von „Swissness“ im Lebensmittelmarketing auf. Swissness ist nur mit globalem Bezug glaubwürdig. Er ist überzeugt: Swissness allein wird Marktanteilverluste bei gewissen Produkten bzw. bei einem gewissen Kundensegment bei sinkendem Grenzschutz nicht verhindern können. Die stufenübergreifende Marktpartnerschaft sieht er deshalb als tragendes Element für den Erfolg mit Swissness.

Die „Qualitätsstrategie“ in die Praxis umsetzen und die zukünftigen Herausforderungen mit einem gemeinsamen Qualitätsverständnis meistern. Das ist aus Sicht der MIGROS und ihrem Stv. Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik Jürg Maurer ein erfolgversprechender Ansatz.

Auch müssen Wirtschaft und Wissenschaft viel enger zusammenarbeiten, verlangte Hans-Peter Bachmann, Co-Präsident der „Swiss Food Research“. Er zeigte Möglichkeiten wie  eine praxisnahe Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Food-Branche im In- und Ausland aussehen könnte. Die Verantwortung für Innovationen liege aber bei der Unternehmensleitung. Es gebe noch ein grosses, ungenutztes Innovationspotenzial, war Bachmann überzeugt.
 

Von „Mehr Wert dank Mehrwert“ ist Herbert Karch, Ing. agr. ETH und Geschäftsführer der Kleinbauern-Vereinigung überzeugt. Dank dem Vertrauenspotenzial der Schweizer Lebensmittel und der Qualitätsstrategie der Land- und Ernährungswirtschaft könnten die Folgen eines Abbaus beim Grenzschutz kompensiert werden, war Karch überzeugt.

Im anschliessenden Podiumsgespräch diskutierten die Referenten und Georg Hoffmann, Geschäftsführer des international tätigen Fruchthandelsunternehmens Kölla & Co., Düsseldorf, unter der Leitung von Dr. Jürg Krummenacher über die Möglichkeiten des Handels. Während des anschliessenden Apéro-Riche wurden die Gespräche unter den Teilnehmern der Tagung lebhaft weitergeführt.