27.04.2012

Freihandelsabkommen Schweiz - China: Knacknuss Agrarsektor

(schweizerbauer.ch) - Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China kommen voran. Einige Hindernisse müssen noch ausgeräumt werden. In der zweiten Maihälfte ist eine fünfte Verhandlungsrunde in Peking geplant.

Die Verhandlungen schritten voran und seien auf gutem Weg, sagte Zhu Hong, Vizedirektor für internationale Beziehungen im chinesischen Handelsministerium, gegenüber der Nachrichtenagentur sda in Peking.

Initialzündung WEF
Christian Etter, der Chef der Schweizer Delegation, teilt diese Ansicht. Die Verhandlungen seien etwa zur Hälfte erledigt und kämen gut voran. Beide Seiten seien äusserst ernsthaft bei der Arbeit, sagte der Unterhändler des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO).

Die Initialzündung zu den Verhandlungen zwischen den beiden Ländern war am 28. Januar 2011 am Weltwirtschaftsforum in Davos erfolgt. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann und der chinesische Handelsminister Chen Deming einigten sich darauf. China ist nach der Europäischen Union und den USA der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz.

Agrarsektor als Knacknuss
Die Schweizer Delegation habe den Willen geäussert, bis Ende 2012 zu einem Abschluss zu kommen. Auch China wolle das Abkommen abschliessen. Das hänge aber davon ab, ob die Differenzen im Agrardossier ausgeräumt werden können, sagte Zhu Hong. Die Schweiz habe bei Agrarprodukten eher hohe Handelsschwellen.

Etter erklärte zu diesem Punkt, die Schweiz als Gebirgsland weise in ihrer Landwirtschaftspolitik einige Besonderheiten auf. Mit den Chinesen liessen sich in dem Dossier aber Übereinstimmungen finden. Dabei falle ins Gewicht, dass die Schweiz bisher 26 Freihandelsabkommen abgeschlossen habe. Darunter fänden sich auch solche mit Agrarexport-Ländern.

China: Beide Seiten profitieren
Zhu Hong unterstrich, von einem Freihandelsabkommen könnten beide Nationen profitieren. Die Volkswirtschaften würden sich ergänzen und darum bestehe grosses Potenzial bei der Zusammenarbeit.

Dabei nannte der hohe Funktionär besonders die Uhren- und Maschinenindustrie. Peking wolle bei den Dienstleistungen einen besseren Zugang in der Schweiz und besonders bei der traditionellen chinesischen Medizin.

Etter erklärte, die traditionelle Medizin aus dem Reich der Mitte werde in der Schweiz bereits ausgeübt und der Sektor sei offen. E  unterstehe aber den Kontrollen durch die Gesundheitsbehörden.

Schweiz will tiefere Zölle
Gemäss Etter ist die Schweiz besonders an einer Senkung der Zölle auf Industriegütern interessiert. Die Tarife liegen aktuell bei etwa 10 Prozent. Zudem wünscht sie grössere Rechtssicherheit für den Dienstleistungssektor von den Finanzen bis hin zum Tourismus.

Der Schutz des geistigen Eigentums steht ebenfalls ganz oben auf der Traktandenliste aus Bern. Etter erklärte, gesetzgeberisch mache China hier Fortschritte, die Umsetzung lasse aber zu wünschen übrig. Die Schweiz wolle die Zusammenarbeit intensivieren.

Handel übersteigt 15-Milliarden-Grenze
2011 erreichte der Handel zwischen der Schweiz und China ohne Hongkong einen Rekordstand von 15,1 Mrd. Franken, ein Plus von 11,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Ausfuhren aus der Schweiz wuchsen um 18,3 Prozent auf 8,8 Mrd. Franken, die Importe aus China um 3,5 Prozent auf 6,3 Milliarden.

Allein die Uhrenexporte aus der Schweiz legten um 48,7 Prozent zu. Die Pharmaausfuhren wuchsen um 37,5 Prozent, die Maschinenexporte um 20,9 und die Ausfuhren von elektrischen Maschinen um 2,2 Prozent. Mit einem Anteil von rund 35 Prozent waren die Maschinen wichtigstes Exportgut.

Für das laufende Jahr geht das SECO trotz globaler Unsicherheiten und Schwächeanzeichen der chinesischen Wirtschaft von einer ähnlichen Entwicklung aus.


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