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04.12.2015

Agroscope Praxis-Symposium: 125 Jahre Forschung in Wädenswil

(agroscope.ch) - Dieses Jahr ist ein besonderes Jahr für Agroscope in Wädenswil. Man blickt zurück auf 125 Jahre Forschung. Ende Juni feierte der Standort Wädenswil mit der Öffentlichkeit, der Branche und den Mitarbeitenden. Anfang November kam das Wädenswiler Jahrbuch heraus. Heute fand nun das letzte Highlight des Jubiläumsjahrs statt: das Agroscope Praxis-Symposium.

Philipp Kutter, Stadtpräsident der Bildungs- und Forschungsstadt Wädenswil, eröffnete das Symposium und würdigte die Innovationskraft von Agroscope. Anschliessend zeigte Michael Gysi, Chef Agroscope, die zukünftige Strategie von Agroscope auf. Denn es wird bereits für das Arbeitsprogramm 2018-2021 geplant. 18 strategische Forschungsfelder, die zentrale Herausforderungen der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft beinhalten, wurden gemeinsam mit Agroscope-Forschenden definiert. Die Branche soll in einem nächsten Schritt nach ihren Bedürfnissen in diesen Forschungsfeldern gefragt werden. Daraufhin vertiefte Jean-Philippe Mayor, stellvertretender Chef Agroscope, die eingangs erwähnte Einbettung von Agroscope in die Bildungs- und Forschungsstadt Wädenswil. Die Gründung des Vereins Weinbauzentrum Wädenswil mit Einbezug diverser Partner-Institutionen zeigt das starke Netzwerk, in das Agroscope in Wädenswil eingebettet ist.

Herausforderungen für die Pflanzenbauwissenschaften

In ihrem Inputreferat fokussierte Eva Reinhard, stellvertretende Direktorin BLW, auf den nationalen Aktionsplan Pflanzenschutzmittel, um Risiken zu reduzieren für Kulturen, Umwelt und Mensch. Auch wenn seitens der Produktion der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel laut Reinhard illusorisch sei, ist sie doch erstaunt zu sehen, wie schnell der wachsende öffentliche Druck zur Diskussion von Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz geführt hat. Dann kamen Agroscope-Fachleute zu Wort. Dominique Mazzi stellte fest, dass die Kirschessigfliege in diesem Jahr nur moderate Schäden verursacht hat, trotz durchgehend hoher Fangzahlen. Aktuelle wie zukünftige Methoden beinhalten eine breite Palette an Massnahmen, um auch in Zukunft eine Beeren- und Obst-Produktion trotz Fliege zu ermöglichen. Florian Freimoser zeigte auf, wie nützliche Organismen bei der Bekämpfung von Schaderregern eine wichtige Rolle spielen können. Ein besonderes Interesse gilt den Tritagonisten, die mikrobielle Interaktionen beeinflussen ohne selbst die Hauptrolle zu spielen. Auch diese Mikroorganismen könnten für einen nachhaltigen Pflanzenschutz nützlich sein.

Die Integrierte Produktion weiterentwickeln

Kurz vor der wohlverdienten Mittagspause sprach Gastreferent Frank Wijnands der Universität Wageningen NL über die Verstärkung der ökologischen Intensivierung. Er stellte fest, dass die Integrierte Produktion IP weiter entwickelt werden muss in den Schlüsselbereichen Pflanzenschutz, Nährstoff- und Bodenmanagement, Management des ökologischen Umfeldes und der Biodiversität, robuste Anbausysteme und klimaneutrale Produktion. Während der Mittagspause waren neben kulinarischen Highlights auch rund ein Dutzend attraktive Poster zu sehen, die Forschungsprojekte von Agroscope präsentierten.

Herausforderungen für die Lebensmittelwissenschaften
Nach der Mittagspause sprach Beatrice Conde-Petit von der Bühler AG in ihrem Inputreferat über Salmonellen auf trockenen pflanzlichen Lebensmitteln. Die Herausforderung besteht darin, die Schaderreger fernzuhalten, am Wachsen zu hindern und ein Übergreifen auf andere Lebensmittel zu verhindern. Anscheinend können in Fett eingebettete Salmonellen – etwa bei Nüssen – schon in geringer Zahl krankmachend sein. Dann folgte erneut ein Agroscope-Block: David Drissner thematisierte, dass einwandfreies Bewässerungswasser zur mikrobiologischen Sicherheit von pflanzlichen Frischprodukten beiträgt. In Zukunft werden er und sein Team auch das Vorkommen von antibiotikaresistenten Bakterien in der pflanzlichen Lebensmittelkette untersuchen. Daniel Baumgartner veranschaulichte sehr konkret die NIR-Technologie für die Qualitätsbestimmung mit Licht – ohne frisches Obst und Gemüse beschädigen zu müssen. Dabei ist die Kalibrierung des Messgeräts entscheidend, wie gut die Messresultate sind – jede Fruchtart etwa braucht ihre eigene Kalibration. Thomas Poiger gab den Gästen einen Einblick in die Rückstandsanalytik auf Erntegut. Vor allem die steigende Zahl an Wirkstoffen sei eine Herausforderung. Poiger betonte aber, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit der Fülle an Daten wichtig sei (nicht jeder Rückstand ist ein Skandal).

Das Fazit des Symposiums

Zum Schluss zog Lukas Bertschinger, stellvertretender Leiter des Instituts für Pflanzenbauwissenschaften, ein Fazit des Symposiums. In Zukunft werden auf abnehmender landwirtschaftlicher Nutzfläche Nahrungsmittel für eine weiter steigende Bevölkerung produziert werden müssen. Es braucht kleine Innovationen, die v.a. das wirtschaftliche Auskommen der Betriebe erleichtern, aber auch grosse Innovationen, die grundsätzlich neue Möglichkeiten z.B. im Pflanzenschutz ermöglichen. Die Effizienz der Produktion wird steigen müssen, aber auch deren Suffizienz im Umgang mit den endlichen Ressourcen. Im Zusammenhang mit Nahrungsmitteln gehe es in Zukunft weniger um noch mehr gesunde, „natürliche“ Lebensmittel, sondern um eine gesunde Ernährung der Bevölkerung. Das Ernährungsverhalten könne Agroscope kaum beeinflussen. Agroscope konzentriere sich vielmehr auf eine hohe Qualität, Sicherheit und möglicherweise Swissness, die zu einem interessanten Thema werden könnte. Die Forschung dürfte künftig noch mehr in Betrieben stattfinden und alle betroffenen Akteuere einbeziehen, bis hin zum Handel. Die Forschenden stehen oft inmitten von Zielkonflikten, weil die Ansprüche der Akteure teilweise gegensätzlich sind (z.B. zwischen Ökonomie und Ökologie). Doch dieser Widerspruch befeuert den Fortschritt. Er habe schon zu machen praktikablen Neuerungen für die nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft geführt. Dieser Widerspruch regt zur Kreativität an und auch künftig zu nutzbringenden HortiFoodAnalytics-Innovationen.