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02.11.2021

Petition will 45-Stunden-Woche

(schweizerbauer.ch) - Das Netzwerk «Widerstand am Tellerrand» hat am Montag in Bern und Zürich eine Petition für bessere Arbeitsbedingungen von ausländischen Arbeitskräften in der Landwirtschaft an die Kantonsregierungen übergeben. Die zentrale Forderung: 45-Stunden-Woche und die Einführung eines verbindlichen Mindestlohns von 4’000 Franken.

In den vergangenen Monaten haben Mitglieder des Netzwerks «Widerstand am Tellerrand» fast 5300 Unterschriften für ihre Forderungen gesammelt.

«Für uns ist klar, dass es eine dringende Anpassung der gesetzlichen Grundlagen für Arbeitsverhältnisse in der Landwirtschaft braucht. In der Schweiz sind es zunehmend familienfremde Arbeitskräfte, die unser Gemüse kultivieren, ernten und abpacken und das Obst und die Beeren pflücken», heisst es in der Mitteilung. Diese saisonalen Arbeitskräfte würden hauptsächlich aus Polen, Portugal oder Rumänien rekrutiert.

Höheres Bewusstsein in den Städten

Mit der Petition will das Netzwerk eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen dieser Landarbeiter anstossen. «Und gleichzeitig tragen wir so zu einer breiteren gesellschaftspolitischen Debatte für eine sozial-ökologische Transformation unserer Nahrungsmittelproduktion bei», heisst es auf der Website von «Widerstand am Tellerrand».

Dass die Initianten die Kantone Bern und Zürich ausgesucht haben, hat seinen Grund. Hier gibt es gemäss dem Netzwerk eine hohe Anzahl Gemüse- und Obstbetriebe, die viele ausländische Arbeiter beschäftigen.

Zudem geht das Netzwerk davon aus, dass durch die Nähe zu den Städten Bern und Zürich das Bewusstsein für lokale und sozial gerechte Nahrungsmittel-Produktion höher ist. Und die Initianten erhoffen sich, dass das Anliegen so politisch rascher vorwärtsgebracht wird.

Die Forderungen:

Eine Anpassung der kantonalen Normalarbeitsverträge (NAV) in den Kantonen Bern und Zürich an die üblichen schweizerischen Arbeitsbedingungen.

- 45 Stundenwoche im Jahresdurchschnitt (bisher: 55) mit Begrenzung der Überstunden
- Einführung eines verbindlichen Mindestlohns von 4’000 Franken brutto pro Monat
- Eine Unterstellung der Landwirtschaft unter das Schweizerische Arbeitsgesetz.

«4000 Franken sind immer noch bescheiden»
Die lange Arbeitszeit von 55 Stunden sei längst überholt und erhöhte die Arbeitsgefahr. «Für «einheimische» Arbeitskräfte sind diese Bedingungen nicht mehr attraktiv und damit können kaum Menschen dazu animiert werden, eine Arbeit als Landarbeiter zu ergreifen», schreibt das Netzwerk zur Forderung der Reduktion der Arbeitszeit.

Gemäss «Widerstand am Tellerrand» liegt der empfohlene monatliche Mindestlohn in den meisten Kantone in der Landwirtschaft bei 3’300 Franken pro Monat. «Dies ist die Hälfte des Schweizer Medianlohns von 6’538 Franken brutto (2018). Davon können noch bis zu 990 Franken pro Monat für Kost und Logis abgezogen werden», heisst es auf der Website. Ein Mindestlohn von 4’000 Franken für Landarbeiter sei immer noch bescheiden in Anbetracht der harten Arbeit und der langen Arbeitszeit.

Die Petition ist auch eine Antwort auf das Scheitern mehrerer parlamentarische Vorstösse zur Unterstellung der Landwirtschaft unter das Arbeitsgesetz gab. «Obwohl die Erntehelferinnen und Erntehelfer im Zuge der Corona-Pandemie als systemrelevante Arbeitskräfte bezeichnet wurden, hat sich an ihren materiellen und sozialen Bedingungen nichts geändert», heisst es in der Medienmitteilung.

Wandel in der Landwirtschaft angestrebt

Geraten durch höhere Löhne für die Mitarbeitenden nicht die Arbeitgeber, also die Landwirtinnen und Landwirte, unter Druck? «Der grösste Teil der migrantischen Landarbeiter arbeiten auf grossen Gemüsebetrieben. Tatsächlich kann es für kleinere Betriebe schwierig sein, faire Löhne zu bezahlen. Die Lösung hierfür sehen wir jedoch nicht in einer Weitergabe der Prekarität «nach unten»», heisst es auf der Website der Initianten.

«Widerstand am Tellerrand» strebt einen Wandel in der Gesellschaft an. «Vielmehr soll durch die Petition eine grundlegende Debatte über die Preisstruktur in der Schweizer Landwirtschaft angestossen werden. Dazu gehört in unseren Augen dringend auch eine Debatte über die hohen Margen der Supermärkte», hält die Organisation fest. Eines der Ziele der Petition sei auch eine Verbesserung der sozialen Absicherung von Bäuerinnen, höhere Produktpreise für Produzierende, nachhaltigere Handelsstrukturen und ein Stopp für weitere Freihandelsabkommen.

Netzwerk «Widerstand am Tellerrand»

Landwirtschaft mit Zukunft, Longo Mai, Plattform für eine sozial nachhaltige Landwirtschaft (Agrisodu), Sezonieri.at, CETIM, Solifonds, Europäisches Bürger*innenforum, Via Campesina, l’autre syndicat, SIT, UNIA, Uniterre, Kleinbauern-Vereinigung, Pura Verdura, Radiesli, Ortolocco, Tapatate, Jardins de Cocagne, SP Kanton Zürich, Grüne Schweiz, Grünes Bündnis Bern