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01.10.2021

agroPreis 2021: Wer gewinnt den agroPreis 2021?

(emmental-versicherung.ch) - Am 4. November 2021 verleiht die emmental versicherung im Berner Kursaal zum 29. Mal den agroPreis. Insgesamt wurden 58 Dossiers für den mit 20'000 Franken dotierten Preis eingereicht. Die Jury hat nun fünf innovative Projekte nominiert.

Ein neues Trendgetränk aus dem Seeland, mit Beeren Terrassen rekultivieren, mittels Türmen Biodiversität schaffen, dank Apps die Wertschöpfung beim Direktverkauf erhöhen oder durch eine Genossenschaft faire Milchpreise erreichen – die nominierten Projekte sind allesamt innovativ und vielversprechend. Und genau darum geht es beim agroPreis, der Innovationen in der Schweizer Landwirtschaft auszeichnet. In der Folge werden die fünf nominierten Projekte kurz vorgestellt.

Mit Türmen Biodiversität in Wert setzen
Biodiversität wird der Bevölkerung immer wichtiger. Die Familie Amrein aus Hildisrieden LU fördert mit Lebenstürmen die Artenvielfalt. Der Betrieb der Amreins ist diversifiziert. Wichtigstes Standbein ist der Agrotourismus, dazu kommen 600 Hochstammbäume, 500 entfallen auf Baumpatenschaften. Über eine Mitgliedschaft beim Pro-Specie-Rara-Archehof hat die Bevölkerung die Möglichkeit, den Erhalt von seltenen Rassen zu unterstützen. Seit 2017 bauen Amreins sogenannte Lebenstürme. Diese benötigen eine Fläche von 1 Quadratmeter. Das Grundgerüst besteht aus drei bis fünf Meter hohen Rundhölzern aus Kastanienholz. Auf bis maximal fünf Etagen wird verdichteter Lebensraum für Insekten, Reptilien, Schlangen, Vögel und andere Kleinlebewesen geschaffen. Ein Lebensturm ist auf mindestens 10 Jahre ausgerichtet. Entstanden ist das Projekt durch den intensiven Kontakt mit der nicht-bäuerlichen Bevölkerung. Das Wissen eigneten sie sich über das Internet, in Fachbüchern sowie in Gesprächen mit Biologen an. Gebaut werden die Türme bei Schulen, Unternehmen und Wohnüberbauungen. Bis jetzt wurden 50 Türme realisiert. Mit den Bauten wollen sie zeigen, dass Landwirtschaftsbetriebe mit Biodiversitätsleistungen ausserhalb der Direktzahlungen Geld verdienen können.

Milchbauer erhält 1 Franken

60 Milchbauern und -bäuerinnen aus der gesamten Schweiz sind Mitglieder der Genossenschaft «Faireswiss». Diese garantiert den Milchproduzenten einen kostendeckenden Milchpreis von einem Franken pro Kilo. Der Schweizer Milchmarkt ist seit Jahren einem steten Strukturwandel ausgesetzt. Die tiefen Preise, insbesondere für Molkereimilch, führen im Sektor seit Jahren dazu, dass jedes Jahr Hunderte Betriebe ihre Kühe verkaufen und die Produktion einstellen. Milchproduzentin Anne Chenevard gründete im Juni 2018 zusammen mit anderen Produzenten die Genossenschaft «Faireswiss». Mit einem Milchpreis von einem Franken wollen sie Familienbetriebe stärken sowie die Milchproduktion in der Schweiz erhalten. Im Herbst 2019 kamen die ersten Produkte in die Läden von Manor und zahlreichen kleineren Lebensmittelläden. 2020 nahm Spar die Produkte auf. 2021 folgte die Migros mit den Läden in der Romandie. Das Sortiment umfasst derzeit zwei Milchen, sieben Käsesorten, Kaffeerahm sowie eine Fonduemischung. Erhältlich sind die Produkte mittlerweile an 400 Verkaufspunkten. Chenevard geht davon aus, dass 2021 insgesamt 2 Millionen Kilo verkauft werden. Ziel ist, das Volumen auf 8,7 Millionen Kilo zu erhöhen, also ein Liter pro Einwohner der Schweiz.

Mit Beeren Terrassen rekultiviert

Im Puschlav haben sich Nicolo Paganini und Marco Triacca in den letzten 20 Jahren als Beerenproduzenten etabliert. Wegen der Abgeschiedenheit des Tals wird die Zusammenarbeit mit anderen Betrieben vorangetrieben. Im Tal mit knapp 5000 Einwohnern gibt es noch 120 Landwirtschaftsbetriebe. Dazu gehören auch Nicolò Paganini und Marco Triacca, die sich auf die Produktion und Verarbeitung von Beeren spezialisiert haben. Seinen Anfang nahm das Projekt vor 21 Jahren. Weil er über kein Land verfügte, fragte er Nachbarn, ob er ihre Parzellen, meist Hausgärten, nutzen dürfe. 2010 kehrte Marco Triacca zurück ins Tal und half mit, den Betrieb zu vergrössern und zu optimieren. Neben den Hausgärten begannen sie auch, verwaldete Terrassen zu rekultivieren. Die Fläche ist auf rund 10 Hektaren angewachsen, diese verteilen sich auf 70 Parzellen. Die kleinste misst nur 50, die grösste 5000 Quadratmeter. Um die 60 Tonnen Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren zu vermarkten, haben die beiden die Piccoli Frutti Valposchiavo GmbH gegründet. 40 Prozent der Beeren werden zu Säften, Konfitüren oder Sirup bearbeitet. Zum Betrieb gehört auch ein agrotouristisches Angebot, das Coltiviamo Sogni, mit 4 Zimmern und ein Rebberg von 3,5 ha im na-hen Veltlin (I).

Mit Trendgetränk Markt geschaffen

Pflanzendrinks finden immer mehr Käufer. Die in der Schweiz angebotenen Produkte stammen aus dem Ausland. Zwei junge Betriebsleiterehepaare haben dies geändert. Einen Haferdrink mit Schweizer Hafer gab es bis 2020 nicht. Hier sahen die Familie Marti und Troxler Potenzial, insbesondere auch für unsere Direktvermarktung. Der Hafer hat zudem Vorteile im Anbau. Die Kultur ist standortangepasst, sie ist anspruchslos und unterdrückt das Unkraut gut. Hafer eignet sich ausserdem hervorragend für die Fruchtfolge. Die ersten Drinks wurden im Herbst 2020 hergestellt. In der Folge optimierten die Landwirte das Produktionssystem. Seit Januar 2021 wird in kürzerer Zeit eine grössere Menge hergestellt. Ein Liter Haferdrink besteht aus 90 Prozent Wasser und 10 Prozent Hafer. Derzeit werden pro Woche und Hof rund 250 Liter produziert. Dazu benötigen sie in etwa 2,6 Tonnen Speisehafer pro Jahr. Das entspricht insgesamt einer Anbaufläche von 50 bis 60 Aren. Ziel ist es, die Menge auf 500 Liter auszudehnen. Abnehmer sind hauptsächlich Bio- und Unverpacktläden in den Städten Zürich, Luzern, Basel, Bern, Biel, Thun und Freiburg. Das Produkt ist im Hochpreissegment angesiedelt. Eine kleinere Menge wird über die Direktvermarktung abgesetzt.

Apps erhöhen Wertschöpfung
Zahlreiche Bauern setzen auf das Standbein Direktvermarktung. Die Software von Matthias Ruoss und Markus Bernhardsgrütter an. Diese minimiert den administrativen Aufwand und erhöht die Wertschöpfung. Ihren Anfang nahm die Saisonbox 2010. Markus Bernhardsgrütter tüftelte an einem Online-Shop für die Direktvermarktung. Er weckte dabei das Interesse bei Matthias Ruoss. Die beiden Junglandwirte spannten in der Folge zusammen und entwickelten einen ersten Webshop selber. Weil immer mehr über das Smartphone bestellt wird, entschlossen die beiden Landwirte 2019, die Saisonbox neu zu konzipieren. Nach rund einem Jahr Entwicklung wurde bei den Direktvermarktern die erste App ausgerollt. Das System umfasst 4 Teile – eine Kunden-, Produzenten-, Packer- und eine Driver-App. Die Bauern können sich auf ihr Kerngeschäft, die Produktion von Lebensmitteln, konzentrieren. Die Saisonbox GmbH übernimmt die anfallenden administrativen Aufgaben sowie die Weiterentwicklung des Onlineshops und die Abrechnung mit dem Endkunden. Über die Saisonbox sollen regionale und saisonale Produkte verkauft werden. Deshalb dürfen über die Plattform auch nur schweizerische Erzeugnisse verkauft werden. Ziel der beiden ist es, dass 2022 rund 20 Landwirte das System einsetzen.