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07.09.2017

Gewässerschutz als Herausforderung für die Landwirtschaft

(eawag.ch) - Trockengelegte Tümpel, eingedolte Bäche, Belastung mit Dünger und Pestiziden – die Liste der Beeinträchtigungen von Wasser und Gewässern, verursacht von der Landwirtschaft, wiegt schwer. Sie zu verkürzen ist eine grosse Herausforderung, nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für die ganze Gesellschaft. Denn die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln ist ein ebenso wichtiges Ziel. Am Eawag-Infotag zeigen Fachleute auf, dass die Konflikte zwischen Nutzen und Schützen mit einem sachlichen Dialog, transparent gesetzten Zielen und einem ganzen Bündel von Massnahmen angegangen werden können.

Klimawandel und Bevölkerungswachstum sorgen dafür, dass die Konflikte zwischen Gewässerschutz und Landwirtschaft künftig kaum kleiner werden. Ein Dialog dazu ist in Gesellschaft und Politik dringend nötig: Welche Ziele sollen gesetzt werden, und wie sind sie zu erreichen? Die Forschung liefert Grundlagen für praxistaugliche Antworten: Die Eawag hat daher ihrem diesjährigen Infotag den Titel gegeben: «Landwirtschaft und Gewässer – Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen». Fast 300 Fachleute aus Wissenschaft, Verwaltung und Politik setzen sich heute in Dübendorf mit der aktuellen Situation im Spannungsfeld auseinander.

Entscheiden im Bewusstsein der Folgen
«Die Wissenschaft allein kann die Zielkonflikte zwischen Schutz und Produktion nicht lösen», sagt der Experte für Wasser und Landwirtschaft Christian Stamm von der Eawag. Denn mit den Konflikten gehe immer ein Abwägen unterschiedlicher Ziele einher. Dazu könne die Forschung Methoden der Entscheidungsunterstützung zur Verfügung stellen, mit denen sich die Auswirkungen von Handlungsmöglichkeiten transparent darstellen liessen. Zur Lösungsfindung beitragen könne die Forschung auch, indem sie neue Produktionstechniken entwickle, etwa Roboter, die gezielt nur dort Pflanzenschutzmittel spritzen, wo dies auch nötig sei, statt ein Feld grossflächig mit Herbiziden zu behandeln. Ob das genügt für eine nachhaltige aber doch intensive Landwirtschaft? Stamm verneint: «Es ist wahrscheinlich, dass auch die Konsumentinnen und Konsumenten ihre Ansprüche an die Lebensmittel anpassen müssen.»

Neue Teiche und Tümpel anlegen
Um Kulturland zu gewinnen, wurden über Jahrzehnte Bäche begradigt und verbaut. Mit Revitalisierungsprogrammen versuchen die Kantone, den historischen Trend umzukehren. Oft vergessen werden daneben die kleinen Stillgewässer: Bis zu 90% der Tümpel und Teiche seien im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft verschwunden, sagt der Biologe Beat Oertli von der Fachhochschule Westschweiz in Genf. Das sei ein riesiger Verlust für die Biodiversität, denn Teiche seien Hotspots der Artenvielfalt. Acht kleine Stillgewässer pro zehn Quadratkilometer zählt man heute noch in der Schweiz. In Gebieten mit intensiver Landwirtschaft ist es oft kaum noch einer auf der gleichen Fläche. Ein Verlust ist dies auch für andere Ökosystemleistungen, wie zum Beispiel Wasserreinigung, Hochwasserrückhalt oder Erosionsschutz. Durch Drainagen und Aufschüttungen sind nicht nur einzelne Tümpel in Gefahr, sondern das gesamte Kleingewässernetz eines Gebietes. Oertli fordert deshalb einen besseren Schutz der noch verbliebenen Teiche. Und wo immer möglich sollten neue Teiche und Tümpel angelegt werden, samt ausreichend breiten Uferstreifen. «Das ist weder wahnsinnig arbeitsaufwendig noch sehr teuer», sagt Oertli.

Mehr Erholungszeit für Gewässerorganismen
Bei den Bächen fällt neben der Verbauung vor allem die stoffliche Belastung ins Gewicht. Über 100 Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln wurden in Untersuchungen festgestellt, teilweise in toxischen Konzentrationen. «Das Problem ist», so der Umweltchemiker Heinz Singer von der Eawag, «dass die Betrachtung einzelner Wirkstoffe nicht ausreicht. Gewisse Organismen können chronisch geschädigt werden durch die anhaltend hohen Konzentrationen und die Stoffgemische, die in den Bächen auftreten.» Während der gesamten Vegetationsperiode gebe es kaum Zeiten, zu denen das Wasser wenig oder unbelastet war. So fehle empfindlichen Gewässerorganismen die Erholungszeit. Singer erwartet deshalb, dass nur eine breite Palette an Massnahmen die Situation verbessern kann, so wie es der Aktionsplan Pflanzenschutz des Bundes vorsieht.

Anspruchsvolle Massnahmen erfordern starkes Engagement
Christian Leu, Chef der Sektion Wasserqualität beim Bundesamt für Umwelt, setzt viel Hoffnung in den «Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln». Er soll noch diesen Herbst dem Bundesrat vorgelegt werden. Der Handlungsbedarf für die Gewässer sei gross aber lösbar: Neue Anwendungsvorschriften in der Zulassung, weniger Chemie anwenden, mit einer guten Praxis und neuer Technik dafür sorgen, dass weniger Chemikalien ins Wasser gelangen, und trotzdem den Schutz der Kulturen sicherstellen – das seien die wichtigsten Pfeiler des Plans. Wichtig, so Leu, sei aber auch der Ausbau der Gewässeruntersuchungen. Nur so könne gezeigt werden, ob sich die Gewässerqualität wirklich bessere. «Die Massnahmen sind anspruchsvoll. Um sie umzusetzen, braucht es ein gemeinsames und starkes Engagement aller Akteure», sagt der Bafu-Vertreter.

BLW fordert hohe Ressourceneffizienz von Schweizer Landwirtschaft
Die Leistungen sollen wo möglich ökologischer erbracht werden als heute und in Wert gesetzt werden, sagt Eva Reinhard, die stellvertretende Direktorin des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW). Das Ziel sei eine sehr hohe Ressourceneffizienz. Innovationskraft, unternehmerisches Denken und Wissen über Ökosystemleistungen seien dabei zentral. Die Agrarpolitik ab 2022 solle die Bereiche Markt, Umwelt und natürliche Ressourcen sowie landwirtschaftliche Unternehmen in Zusammenhang bringen, um Perspektiven für die Land- und Ernährungswirtschaft zu schaffen. Heutige Ziele und Massnahmen, so die BLW-Vertreterin, seien zu überprüfen und wenn nötig in Frage zu stellen. Die Forschung spiele bei dieser Weiterentwicklung eine zentrale Rolle. Reinhard zählt dabei auf neue Anreizsysteme und Technologien sowie eine zunehmende Digitalisierung in der Landwirtschaft. Standortspezifische Aspekte seien zu beachten, dafür brauche es weiterentwickelte Methoden zur Bewertung von Ökosystemleistungen sowie praktikable Monitoringsysteme.

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