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14.09.2018

Interview mit Michel Nick: «Der Spielraum ist deutlich kleiner»

(foodaktuell.ch) - Michel Nick machte als CEO den Sprung vom Conveniencehersteller Le Patron zum Kartoffel- und Obsthandelsbetrieb Geiser agro.com. Trotz eingeschränktem Spielraum will er Innovationen vorantreiben.

alimenta: Sie haben vor gut einem Jahr den Schritt gemacht und sind als CEO in eine Familien AG eingetreten. Was ist der grösste Unterschied zu einem börsenkotierten Unternehmen?

Michel Nick: Es ist absolut anders, ohne, dass ich es werten will. Bei uns ist das Ganze sicher familiärer und die Entscheide fallen schneller. Der Kontakt zu den Eigentümern ist sehr direkt und transparent, und es wird mit weniger Zahlen geführt.

Sie kommen von Orior, einem Unternehmen mit einem vielfältigen Convenience-Sortiment. Bei Geiser agro.com ag sind Sie mit der landwirtschaftlichen Urproduktion konfrontiert. Wo sehen Sie die grössten Unterschiede?
Der grösste Unterschied ist die Beschaffung der Rohstoffe. Hier spielen die verschiedenen Branchenorganisationen eine grosse Rolle bei der Preisfestsetzung. Der unternehmerische Spielraum ist deshalb deutlich kleiner. Der Kontakt zum Landwirt, den ich bei der Orior nicht hatte, ist bei Geiser agro.com sehr intensiv. Hier stehen Familien, Menschen, Gesichter dahinter. So gibt es vielfach auch sensible Situationen, besonders wenn man unangenehme Entscheidungen treffen muss, wie bei Deklassierungen von Produkten.

Ihre frühere Firma hatte eine vielfältigere Produkterange. Dort war sicher die Innovationsrate auch höher?
Absolut. In einem Conveniencebetrieb, wie ich ihn führen durfte, ist die Innovationsrate natürlich massiv höher und es dreht sich alles viel schneller. Bei der Geiser agro.com dauert es mindestens vier bis fünf Jahre, bis etwa eine Apfelsorte mit einem ansprechenden Ertrag auf dem Markt durchschlägt – oder eben nicht, dann muss die Sorte ausgerissen werden. Im Conveniencebetrieb stellt das Entwicklungsteam in kurzer Frist neue Produkte her. Unser Innovationsteam muss sich, sobald es sich für eine Sorte oder ein Produkt entschieden hat, zuerst mit den Obstproduzenten oder Kartoffelbauern einig werden. Es sind daher deutlich mehr externe Faktoren zu berücksichtigen, welche die eigene Dynamik etwas bremsen.

Sollte Geiser auch mehr Innovationen bringen und näher zum Endkonsumenten gehen?

Eine eigene Direktvermarktung zu betreiben, um so näher zu den Konsumenten zu kommen, ist nicht das Ziel. Dies durch Innovationen zu erreichen, hingegen schon; sicher mit neuen Verpackungen und mit besserer «innerer» Qualität der Produkte. Wir setzen stark auf unsere Markenprodukte, also unsere «Clubsorten» wie die Apfelsorten «Jazz™», «SweeTango®» oder die neue Birnensorte Qtee. Neue, interessante Sorten sind bereits im Versuchsanbau und werden in den nächsten Jahren lanciert.

Geiser investierte gegen 30 Millionen Franken in das neue Tafelobstkompetenzzentrum, das in einem Gebiet steht, wo gar nicht viel Obst produziert wird. Ist das sinnvoll?

Ja sicher. Man muss sich fragen, wo werden die Äpfel gegessen? Im Anbaugebiet oder hier im Markt? Wie schnell ist die Frucht in der besten Qualität vom Lager beim Kunden? So gesehen ist die Lage hier viel besser. Wir sind nahe bei unseren grössten Kunden, den verschiedenen Migros-Genossenschaften. Zudem ist unsere Lage logistisch an der Autobahn A1 perfekt.

Gibt es Parallelen von Ihrem Werk hier am unteren Ende des Emmentals zu den Apfelverarbeitern in grossen Anbauregionen in Europa, etwa im Südtirol?

Dort ist alles viel grösser und meistens sind die Werke meistens genossenschaftlich organisiert. In Bezug auf die Technik sind wir ihnen mit unserem Neubau sicher ebenbürtig. Zudem sind diese Unternehmen im EU-Markt. Wir dagegen produzieren in einem geschützten Markt.

Sind Sie gegen einen Agrarfreihandel?

Ich bin nicht grundsätzlich dagegen. Man muss einfach prüfen, unter welchen Voraussetzungen der Agrarmarkt funktioniert und sicherstellen, dass mit möglichst gleich langen Spiessen gekämpft werden kann. Klar ist, dass es die verarbeitende Industrie, die uns die Produkte übernimmt, in einem offenen Markt äusserst schwer hätte. Der Schweizer Markt schätzt, besonders bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die Herkunft Schweiz. Regionalität und sogar Lokalität sind weiterhin grosse Trends, auf die wir zählen können. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt hier eine grosse Rolle. Wir tun gut daran, unsere Produkte und Angebote sehr stark nach den Konsumentenbedürfnissen auszurichten und Innovationen zu forcieren. Wenn uns das gelingt, werden wir auch bei einer Marktöffnung konkurrenzfähig bleiben. Die gesamte Geiser-Gruppe hat durch die Herkunft der Ware und die damit verbundenen Produzentenpreise ein ureigenes Interesse, ihre Waren im Schweizer Markt abzusetzen. Wenn die Grenzen offen wären, müssten wir uns wieder neu organisieren und der Absatzmarkt müsste anders bearbeitet werden. Zum heutigen Zeitpunkt wäre es schwierig, als kleines Schweizer Unternehmen, ohne grosse Kontakte ins Ausland, auf dem europäischen Markt zu überleben.

Also wird bis heute nichts exportiert?
Wir exportieren nur kleine Mengen und nur wenn es hier zu viel Ware gibt. Dann aber gibt es im Ausland auch zu viel. So kann man nur als Rosinenpicker im Ausland tätig sein und befindet sich damit preislich so stark daneben, dass entweder seitens Kunden kein Interesse besteht oder ein Export nicht rentiert.

Hatten Sie letztes Jahr, mit dem grossen Frost, ein Problem in der Beschaffung?

Nein. Wir hatten quantitativ relativ wenige Einbussen, weil wir zum grössten Teil mit Produzenten aus dem Wallis und der Westschweiz zusammenarbeiten. Diese arbeiten sehr professionell mit modernsten Hilfsmitteln zum Beregnen.

Das Geschäft im Foodbereich ist in der Schweiz sehr konzentriert. Im Detailhandel herrscht ein Duopol. Ist dies mühsam?

Mühsam nicht – herausfordernd auf jeden Fall. Doch im Schweizer Lebensmittelmarkt hat man überall eine ähnliche Ausgangslage. Vor allem dann, wenn man keine Alleinstellungsmerkmale anbieten kann. Darum setzen wir stark auf unsere Markenprodukte. Wenn es uns gelingt, attraktive Marken mit einem deutlichen Mehrwert für den Endverbraucher anzubieten, dann sind wir für die gesamte Wertschöpfungskette ein interessanter Partner.

Einen Nachfragesog für eine Marke zu erzeugen, so dass die Händler auf diese setzen, ist mit hohen Kosten verbunden. Wie geht das?

TV-Spots werden wir nicht machen. Doch wir nutzen sehr stark die sozialen Medien und arbeiten mit unserer Jazz™-Marken­botschafterin Lea Sprunger zusammen. Nicht erst nach dem gewonnenen EM-Goldtitel ist sie für unsere Marke die ideale Sympathieträgerin. Zudem machen wir Degustationen im Detailhandel und setzen auf das Produkt, das beim ersten Biss überzeugen muss.

Beliefern Sie Discounter?
Wir waren dort von Anfang an nicht dabei und die Discounter sind ihren bisherigen Lieferanten, Qualität und guter Preis vorausgesetzt, sehr treu. Ich arbeitete in meiner früheren Tätigkeit selber sehr stark mit Discountern zusammen. Einen neuen Kunden dazugewinnen ist meist nur möglich, wenn man den aktuellen Lieferanten qualitativ und preislich stark unterbieten kann. In unserem Beschaffungsumfeld, mit in der Branche festgelegten Richtpreisen, ist das schwierig. Bis jetzt hat sich diese Frage auch nicht gestellt. Wir verschliessen uns absolut nicht, insbesondere wenn wir mit speziellen Sorten, die den Discount ebenfalls interessieren könnten, auf den Markt kommen.

Wie gehen Sie mit dem Dominator Fenaco um?
Dass es Geiser agro.com seit nun fast 130 Jahren gibt, ist ein gutes Zeichen. Fenaco ist ein leistungsstarker, gut aufgestellter Mitbewerber. Wir stehen in einem harten Wettbewerb zueinander und wir versuchen, die Vorteile eines KMU spielen zu lassen.

Ihr Unternehmen verarbeitet keine Bioprodukte. Haben Sie etwas gegen Bio?
Persönlich habe ich nichts gegen Bio. Aber mit Bio müssten die Warenflüsse getrennt werden. Mit unseren Prozessen auf den Sortieranlagen würde das teuer. Dazu müssten wir teilweise in redundante Anlagen investieren. Heute ist der Markt nicht so, dass wir die grossen Volumen im Biobereich verarbeiten könnten.

Woran haben Sie am meisten Freude am neuen Werk?

Ich habe Freude am ganzen Werk! Angefangen beim Staplerfahrer im neuen Wareneingang, der während der Ernte täglich über zehn Camions entlädt, über die topmodernen Lagerräume und die neuste Technologie der Sortieranlagen bis hin zur leistungsfähigen Abpackanlage, wo unsere Produkte auf Hochglanz poliert werden. Wenn die Ware absolut perfekt auf dem Plateau liegt und unsere Kundinnen und Kunden zum Geiser-Apfel greifen, dann bin ich glücklich.